Patentlösungen - Lernen von den Fliegen
Fliegen laufen Wände hoch, Spinnen sitzen an der Fensterscheibe, Geckos krabbeln die Zimmerdecke lang: Warum sie
nicht herunterfallen, haben Forscher am Max-Planck-Institut für Metallforschung untersucht.
Mit Erfolg: Sie haben herausgefunden, was viele Tiere buchstäblich die Wände hochgehen lässt. Und das wollen die Wissenschaftler jetzt
nutzen: Als Ergebnis ihrer Arbeit haben sie ein Material entwickelt, das die perfekten Haftungseigenschaften der natürlichen Vorbilder imitiert.
Langfristiges Ziel der Stuttgarter Forscher: Sie wollen ein verfahren finden, wie man Bauteile ohne Klebstoff fest miteinander verbinden
kann - und trotzdem leicht wieder lösen. Das könnte die Zukunft der der Konstruktionstechnik revolutionieren, vom Flugzeugbau bis zur Mikrotechnik. Ihre Ergebnisse haben die Max-Planck-Forscher
jetzt zum Patent angemeldet.
Zur Bedeutung der Patente in der Forschung
ein Gespräch mit Prof. Dr. Joseph Straus, Direktor am Max-Planck-Institut für Geistiges Eigentum, Wettbewerbs- und Steuerrecht in
München
Herr Professor Straus, Sie sind ein vielgefragter Experte für Patente und beraten unter anderem
die Bundesregierung und die EU-Kommission.
Die Patente werden in der Wissenschaft immer wichtiger. Ist es denn in der Zukunft vielleicht sogar so, dass dann ein Wissenschaftler das
Ergebnis seiner Arbeit, bevor er es veröffentlicht, erst patentieren lässt?
Das hängt davon ab, wie verwertungsnah er forscht. Wenn es sehr verwertungsnah ist, dann wird er es wohl zuerst zum Patent anmelden
müssen, und erst dann publizieren. Denn ansonsten sind die Rechte weg. Wenn etwas einmal die Öffentlichkeit erreicht hat, kann man es nicht mehr patentieren.
Warum sind Patente so wichtig?
Patente sind deshalb so wichtig, weil auf der einen Seite die Investitionen in Forschung und Entwicklung - das hängt auch von den
Bereichen ab - immer größer sind. Und die Kopiermöglichkeiten dieser Forschungsergebnisse sind immer besser, immer schneller. Man kann kopieren und demjenigen Konkurrenz machen, der
Forschung und Entwicklung finanziert hat.
Gilt denn das für alle Wissenschaftsbereiche?
Nicht für alle. Ich würde sagen: Chemie, Maschinenbau und insbesondere Life Sciences, Biotechnologie, sind solche Bereiche.
Diese vielen Patente, die nun inzwischen vergeben werden, haben die nicht auch negative Folgen in dem Sinne, dass sie nämlich die
Forschungsfreiheit einschränken?
Die Forschungsfreiheit an sich wird auf die Patente hier bei uns nicht eingeschränkt, weil wir ein Forschungsprivileg haben. Man kann
an patentierten Dingen forschen, man kann sie weiter entwickeln, man kann sie später auch zum Patent anmelden. Aber natürlich ist die Sache etwas komplexer. Es kann unter Umständen Bereiche
geben, wo Probleme entstehen können.
Welche Bereiche wären das?
Genforschung ist ein Beispiel. In diesem Bereich könnte es sein, wenn man zuviel patentiert, dass dann zu vieles davon
abhängen könnte. Aber - das muss ich noch hinzufügen – Patente sorgen für Transparenz, weil Sie alles offenbaren müssen. Und es wird auch veröffentlicht. Die andere Alternative ist in einem
solchen Fall: Geheimhaltung.
Aber würden Sie das auch so positiv sehen, wenn wir jetzt mal von Europa wegschauen in die Dritte Welt? Sind die Folgen auch da so
positiv?
Für die Dritte Welt - jedenfalls für viele Länder - spielen Patente eine andere Rolle. Sie zu akzeptieren, ermöglichte ihnen die Märkte
der entwickelten Länder zu erreichen, mit ihren Produkten, Agrarprodukten und Textilien.
Aber im Sinne der Innovation ist das nur für die Länder richtig, wo ein bestimmtes Niveau der Entwicklung schon erreicht worden ist.
Jetzt reden wir die ganze Zeit über Patente. Was kann man denn eigentlich alles patentieren? Können Sie uns ein Beispiel nennen,
vielleicht an einem Tier: was kann man da patentieren?
Man kann an sich immer nur eine technische Lehre patentieren, und eine solche technische Lehre kann auch zu Veränderungen an den Tieren
führen. Man kann Tieren neue Eigenschaften verleihen. Zum Beispiel Schafe gentechnisch so verändern, dass sie in ihrer Milch Blutgerinnungsfaktoren produzieren. Und diese
Blutgerinnungsfaktoren sind wichtig, weil man sie für die Behandlung von Hämophilen verwenden kann, also Menschen, deren Blut nicht gerinnt.
Interview des Max-Planck-Institut
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